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Apothekerin im PräQuali-Verhör | APOTHEKE ADHOC

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Der Morgen ging noch halbwegs normal los, denn Tollsdorf kennt das Spiel. Sie weiß aus anderen Hilfsmittelverträgen, dass man sich auch als approbierte Apothekerin erst als würdig erweisen muss, um die Versicherten einer Kasse betreuen zu dürfen. Präqualifizierung heißt das böse Zauberwort, das Tollsdorf an sich schon als bewusste Provokation empfindet. Als würden drei Staatsexamina nicht ausreichen, um zu wissen, wie man einen Karton Windeln korrekt lagert.

Aber sie hat es sich abgewöhnt, sich darüber aufzuregen. Sie hat also auch für die nächste Kasse wieder die Liege im Beratungsraum fotografiert, wie gewünscht von beiden Seiten und obwohl es nur um Trinknahrung geht. Sie hat das Kunststück vollbracht, den Ganzkörperspiegel in voller Größe zu fotografieren, ohne selbst im Bild zu sein und überlegt schon, wie sie daraus ein Spiel für die Weihnachtsfeier machen kann. Die Leiter-Schulung des Teams hat sie noch vor sich. Manchmal fragt sich Tollsdorf, ob bei den Krankenkassen eigentlich durchtrieben Witzbolde sitzen und sich absichtlich immer absurdere Vorgaben überlegen. Einfach nur um zu sehen, wie weit sie gehen können. Sie will nicht weiter darüber nachdenken, macht schnell noch ein Foto von der Kamera, mit der sie die Fotos gemacht hat und hat jetzt fast alles zusammen.

Fast. Denn es fehlt noch die Auskunft aus dem Gewerbezentralregister. Keine Ahnung, wo man sowas herbekommt. Irgendwo erhält sie die überraschende Auskunft, dafür sei die Polizei zuständig. Ihr Führungszeugnis hat sie eigentlich schon, sie geht aber trotzdem zur Wache. Polizeioberkommissar Hundt ist am Anfang noch freundlich, wirkt aber etwas überfragt.

Hundt: Was für eine Auskunft wollen Sie?
Tollsdorf: Na vom Zentralregister.
Hundt: Ein polizeiliches Führungszeugnis?
Tollsdorf: Nein, das hab‘ ich alles schon eingetragen.
Hundt: Was haben SIE da eingetragen?
Tollsdorf: Kein Eintrag, obwohl die ja immer denken, dass wir alle Schwerverbrecher sind.
Hundt: Wer sind die?
Tollsdorf: Na diese Heinis, die meinen, ich wüsste nicht selbst, wie man Trinknahrung an Kinder abgibt.
Hundt: Das Jugendamt?
Tollsdorf: Hä, nein! Woran denken Sie denn jetzt?
Hundt: Woran denken Sie denn?
Tollsdorf: Na an die KASSE!
Hundt: Also ich tue jetzt mal so als hätte ich das nicht gehört. Sie wollen doch keine Anzeige wegen versuchter Bestechung…
Tollsdorf: Ich möchte eine Anzeige erstatten: Wegen präqualifizierter Erpressung.

Auch wenn die Präquali-Odyssee dieser Apothekerin in Wahrheit nicht im Verhörraum geendet ist – erstaunlich viel an dieser Geschichte stimmt. Die Fotos von der Liege und dass ihr irgendeine Behörde fälschlicherweise gesagt hat, sie müsse bei der Polizei nachfragen. Die Hilfsmittelversorgung machen Apotheken – wenn überhaupt – nur noch für ihre Patientinnen und Patienten. Lohnen tut sich das meistens nicht mehr und Spaß macht es auch nicht. Ihr Fazit: „Das Schlimmste war das Gewerbezentralregister.“

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