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Corona-Impfstoff für Kinder ab fünf

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- Wien 15.11.2021 - Coronavirus Krise - Seit heute gibt es im Austria Center Vienna (ACV) die erste Impfstraße in Öster

Am 25. November 2021 hat die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) grüne Licht für den Einsatz des Biontech-Vakzins bei Kindern unter 12-Jahren gegeben (imago images/photonews.at)

Am 3. März 2022 hat die europäische Arzneimittelbehörde EMA nun auch den Corona-Impfstoff von Moderna für Kinder von sechs bis elf Jahren freigegeben. Für das Vakzim von Biontech/Pfizer hatte die EMA dies bereits am 25. November 2021 getan. Nach weiteren Prüfungen sprach daraufhin am 9. Dezember auch die für Deutschland zuständige Ständige Impfkommission (STIKO) eine Empfehlung für Corona-Schutzimpfungen für Kinder im Alter zwischen fünf und elf Jahren aus, allerdings nicht uneingeschränkt.

Insgesamt gibt es in der Altersklasse von fünf bis elf Jahren in Deutschland etwa fünf Millionen Kinder. Pro Jahrgang sind es etwa 750.000. Etwas mehr als 20 Prozent der Fünf- bis Elfjährigen in Deutschland sind bisher geimpft. Erste Ergebnisse zeigen aber, dass die niedrige Dosierung, die Kindern injiziert wird, keinen hohen Schutz gegen die Omikron-Variante bietet.


In den Zulassungsstudien wurde der Impfstoff der Firma Biontech in einer geringeren Dosis an fast 2.300 Kindern in der Altersgruppe fünf bis elf Jahre getestet. Geringere Dosis heißt, die Kinder bekamen nur ein Drittel der Impfstoffmenge, die an Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren verimpft wird. Offenbar reicht das aus, denn diese Dosis schützte die unter Zwölfjährigen ähnlich gut vor einer Infektion wie diejenigen über der Altersgrenze. Auch die Nebenwirkungen seien vergleichbar mit denen älterer Kinder, heißt es. Manche Kinder hatten Kopfschmerzen und fühlten sich schlapp – ganz ähnliche Nebenwirkungen also, wie sie auch bei Erwachsenen auftreten. Schwerwiegende Nebenwirkungen gab es laut der Studie nicht.

Auch vom Impfstoff der Firma Moderna sollen Kinder eine geringere Dosis erhalten, die Hälfte der Menge wie sie Erwachsenen injiziert wird. Forschungen hätten ergeben, dass der Moderna-Impfstoff bei jüngeren Kindern eine vergleichbare Immunantwort auslöse wie bei älteren Bevölkerungsgruppen.


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Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Corona-Schutzimpfung mit dem Vakzin von Biontech/Pfizer für Kinder im Alter zwischen fünf und elf Jahren mit bestimmten Vorerkrankungen. Wie das Gremium mitteilte, empfiehlt es Impfungen in dieser Altersgruppe zusätzlich auch für Kinder, in deren Umfeld Risikopatienten leben, die sich selbst nicht durch Impfungen schützen können. Für alle anderen Kinder soll eine Impfung aber bei „individuellem Wunsch“ möglich sein. Nach RKI-Daten haben deutschlandweit bis zum 4. März 2022 21 Prozent der Fünf- bis Elfjährigen mindestens eine Impfdosis erhalten.

Laut STIKO-Empfehlung sollen die Kinderimpfungen mit mit dem Wirkstoff der Hersteller Biontech/Pfizer in zwei Dosen im Abstand von drei bis sechs Wochen erfolgen. Ziel der Impfempfehlung sei es, „unter anderem schwere Covid-19-Verläufe und Todesfälle bei Kindern im Alter von fünf bis elf Jahren zu verhindern“.

Das Gremium geht davon aus, dass sich ein Großteil der Kinder in dieser Altersgruppe „mittelfristig“ mit COVID-19 anstecken werde. Dabei verliefen die allermeisten Infektionen bei ihnen aber symptomlos. Für gesunde Kinder ohne Vorerkrankungen sei daher von einer Impfempfehlung abgesehen worden, zumal das Risiko seltener Nebenwirkungen aufgrund der „eingeschränkten Datenlage“ noch nicht eingeschätzt werden könne.

Bei den Zulassungsstudien geht es vor allem darum, die Sicherheit eines Impfstoffs zu bewerten. Bei der Untersuchung, auf der die EMA-Empfehlung beruhte, wurde das Vakzin aber nur weniger als 3.000 Kindern verabreicht. Für die Zulassung des Impfstoffs reichen die Ergebnisse der vorliegenden Studie aus. Um sehr seltene Nebenwirkungen zu entdecken, sind es aber zu wenige Teilnehmer. Seit Beginn der weltweiten Corona-Impfungen hat sich gezeigt: Manche Nebenwirkungen der Vakzine wurden erst registriert, nachdem mehrere Millionen Menschen geimpft worden waren.

Die STIKO hat einen anderen Blickwinkel. Sie nimmt die Perspektive des einzelnen Kindes ein. Der individuelle Nutzen der Impfung ist hier nicht eindeutig. Fünf- bis Zwölfjährige erkranken nur selten schwer an COVID-19. Es gibt zwar positiv getestete Kinder auch auf Intensivstationen, aber sie sind nach Angaben der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin meist aus anderen Gründen dort aufgenommen worden und die Coronainfektion wurde erst beim Eingangstest bemerkt. Unklar ist allerdings nach wie vor, wie hoch das Risiko von „Long Covid“ bei Kindern ist.

Für eine Nutzen-Risiko-Abwägung fehlten der STIKO also noch Daten. Im einem Podcast der FAZ hatte STIKO-Chef Thomas Mertens gesagt, es gebe keine Daten zu „Langzeitschäden“ der Impfung – eine unglückliche Formulierung, für die er viel Kritik von Kinderärzten geerntet hat. Denn dass Monate nach einer Impfung Nebenwirkungen auftreten, ist noch nicht vorgekommen. Es kann aber sein, dass ganz seltene Nebenwirkungen in den zwei Wochen nach der Impfung erst später als solche erkannt werden. Deshalb wartete die STIKO auf mehr Daten aus den USA und Israel, wo schon rund drei Millionen Kinder geimpft wurden.

Komplikationen, die bei den 12- bis 17-Jährigen und den jüngeren Erwachsenen aufgetreten seien, etwa Herzmuskelentzündungen, seien vorwiegend nach der zweiten Impfung registriert worden, so STIKO-Mitglied Martin Terhardt. Es dauere daher länger, bis diese Daten generiert werden könnten. Hier geht es im Grunde um die Abwägung von Sicherheit mit Schnelligkeit. Deutschland hat sich mit der STIKO für Sicherheit entscheiden.

Am 28. Februar 2022 hat ein US-Forscherteam eine neue Studie zur Wirksamkeit der Impfung bei Fünf- bis Elfjährigen vorgelegt, die Ergebnisse sind allerdings noch nicht unabhängig begutachtet worden. Nach den Daten der Forscher hatte die zweifache Impfung bei Kindern gegen die Delta-Variante eine Schutzwirkung von 68 Prozent gegen symptomatische Infektionen, unter Omikron-Bedingungen aber nur noch bei zwölf Prozent. Wie eine dritte Dosis den Schutz verändert, geht aus der Studie nicht hervor.


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Grund für die niedrige Schutzwirkung könnte die niedrige Dosis sein. Kinder ab zwölf erhalten die gleiche Dosis wie Erwachsene und in dieser Altersgruppe fanden die Forscher weiter gute Schutzergebnisse. Die Dosis bei kleinen Kindern könnte schlicht zu niedrig gegen Omikron sein. Höhere Dosierungen führen allerdings oft zu Fieber und werden daher bisher nicht empfohlen.

Der Präsident der deutschen Gesellschaft für Kinder und Jugendmedizin, Jörg Dötsch, beurteilt das Risiko für kleine Kinder, schwer an COVID-19 zu erkranken, am 15. Februar 2022 im Deutschlandfunk als weiterhin gering. Auch das PIMS-Syndrom trete nur sehr selten nach COVID-Infektionen auf und sei zudem gut behandelbar. Momentan würden sich die Kinderärzte eher Sorgen um ein anderes Virus machen: Das RS-Virus, das bei einigen Kindern zu schweren Krankheitsverläufen führt.

Mediziner: Keine großen Risiken durch Covid-19 oder PIMS für Kinder (15.2.2022)

Eltern sollten für sich abwägen, ob sie ihr Kind vor einer Infektion schützen wollen oder ob aus ihrer Sicht die möglichen Risiken einer Impfung überwiegen. Ein Argument für die Immunisierung von Kindern könnte auch der Schutz eines Familienmitglieds mit erhöhtem Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf sein.

Quelle: Christine Westerhaus, Volkart Wildermuth, Arndt Reuning, dpa, pto



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