Start Deutschlandfunk Kultur News Impfpflicht und Corona-Lockerungen – Hohe Immunität in den gefährdeten Gruppen

Impfpflicht und Corona-Lockerungen – Hohe Immunität in den gefährdeten Gruppen

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Vom 16. März an gilt in Deutschland die einrichtungsbezogene Corona-Impfpflicht für Pflegepersonal und Beschäftigte im medizinischen Bereich. Der Deutsche Bundestag wird in Kürze sogar über eine allgemeine Impfpflicht gegen Covid-19 debattieren.

Gleichzeitig steht bereits für den 20. März in Aussicht, dass viele bislang geltende Corona-Schutzmaßnahmen außer Kraft gesetzt werden. Ein Widerspruch? Durchaus nicht, sagt der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit.

Für eine einrichtungsbezogene Impfpflicht

Die einrichtungsbezogene Impfpflicht habe ihre Berechtigung, sagt Schmidt-Chanasit, denn sie gelte dort, wo ein hohes Risiko bestehe, „auch für dramatische Ausbrüche mit einer entsprechenden Infektionssterblichkeit“.

Als Arzt sei er natürlich dafür, dass möglichst viele Beschäftigte in medizinischen und Pflegeberufen sich testen und auch impfen lassen. Eine Impfpflicht könne dazu beitragen.

Allerdings werde es immer einen harten Kern von Impfgegnern geben, gegen den sie nicht durchzusetzen sei. In einzelnen Einrichtungen oder einzelnen Regionen könne es daher zu so großen Personalausfällen kommen, dass sich die Frage stelle: „Kann unser Gesundheitssystem das verkraften?“

Allgemeine Impfpflicht nicht erforderlich

Eine allgemeine Corona-Impfpflicht hält Schmidt-Chanasit derzeit für nicht erforderlich. In der Bevölkerungsgruppe mit dem größten Risiko für einen schweren oder sogar tödlichen Krankheitsverlauf halte er einen sehr großen Anteil inzwischen für ausreichend immunisiert.

Von etwa 19 Millionen über 60-Jährigen in Deutschland seien 17 Millionen geimpft und 2 Millionen als genesen registriert. Inklusive einer Dunkelziffer liege die Zahl der Genesenen wahrscheinlich sogar bei 4 Millionen. Eine Überlastung des Gesundheitssystems stehe deshalb „zumindest in weiten Teilen Deutschlands nicht zur Debatte“.

Keine generelle Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche

Zu recht habe die Ständige Impfkommission keine generelle Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche ausgesprochen, sagt Schmidt-Chanasit. Die Empfehlung gelte bislang nur für Fünf- bis Elfjährige mit Vorerkrankungen. Da sie ein viel höheres Risiko hätten, schwer zu erkranken, sei es wichtig, dass sie den Impfschutz erhielten.

Auf keinen Fall dürfe die Impfung in dieser Altersgruppe jedoch zu einer Voraussetzung für soziale Teilhabe werden: „Sowohl ungeimpfte als auch geimpfte Kinder müssen gleichberechtigten Zugang zu diesen Angeboten haben.“

Keine weiteren Booster-Impfungen

Weitere Booster-Impfungen seien für die Allgemeinheit nicht erforderlich, erklärt der Virologe. „Im Regelfall ist die Grundimmunisierung mit der dritten Impfung abgeschlossen“, sagt Schmidt-Chanasit.

Zusätzliche Impfungen sollten darüber hinaus allenfalls besonders Gefährdete erhalten oder Menschen, die mit ihnen Umgang haben wie medizinisches oder Pflegepersonal.

An geplanten Lockerungen festhalten

Die Aufhebung vieler Corona-Maßnahmen zum 20. März hält Schmidt-Chanasit für richtig. „Verpflichtende Maßnahmen auf der gesamten Bevölkerungsebene“ seien nicht mehr verhältnismäßig.

Ebenso wie viele unserer Nachbarländer, die zum Teil höhere Inzidenzen als hierzulande meldeten, sollte die Bundesregierung aus seiner Sicht an den geplanten Lockerungen festhalten, sagt Schmidt-Chanasit. „Für mich würde es sich nicht erschließen, warum Deutschland eine Sonderrolle einnehmen sollte.“

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